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Sink or Swim: Wie Vermögensverwalter die nächste Kundengeneration gewinnen und binden

Der Generationenwechsel ist im Gang

Der viel zitierte „Silver Tsunami“ wird oft als Ereignis beschrieben, das noch bevorsteht. Eine große Vermögenswelle, die in den kommenden Jahren von einer Generation zur nächsten überschwappt. Dieses Bild ist eingängig, aber es führt in die Irre.

In der Realität passiert der Übergang nicht punktuell, sondern schleichend und über Jahre hinweg. Wichtig ist dabei vor allem, dass es nicht zwei klar getrennte Parteien gibt und der Übergang auf Basis bestehender Beziehungen vonstattengeht. In vielen Mandaten sind heute bereits mehrere Generationen gleichzeitig involviert. Die nächste Generation sitzt mit am Tisch, stellt Fragen, bringt Perspektiven ein und beeinflusst Entscheidungen. Oft geschieht das lange bevor sie formal Verantwortung trägt. Die klassische Logik eines linearen Übergangs - erst die eine Generation, dann die nächste - greift deshalb zu kurz.

Was sich stattdessen beobachten lässt, ist eine Phase der Überlappung, in welcher Erwartungen nebeneinander existieren, sich teilweise widersprechen und in der sich zunehmend entscheidet, ob bestehende Beziehungen fortgeführt werden oder nicht.

Der kritische Punkt liegt darin, dass diese Entscheidungen häufig nicht erst dann getroffen werden, wenn das Vermögen offiziell übertragen wird. Sie entstehen schon im Vorfeld in Gesprächen, in Wahrnehmungen, in kleinen Momenten entlang der Customer Journey. Damit verschiebt sich der eigentliche Zeitpunkt der Weichenstellung nach vorne.

Die Frage ist nicht mehr, ob ein Vermögensverwalter den Generationenwechsel erfolgreich begleitet. Die entscheidende Frage ist, ob er bereits Teil des Entscheidungsraums ist, in dem die nächste Generation ihre Präferenzen entwickelt.

Erwartungen entstehen außerhalb der Branche

Um diese Entwicklung zu verstehen, reicht der Blick auf Vermögensverwaltung allein nicht aus. Die zentralen Maßstäbe für Qualität entstehen heute auch außerhalb der Branche. Digitale Plattformen, E-Commerce, Banking-Apps, Mobilitätsservices und zunehmend auch KI-gestützte Anwendungen definieren, was Nutzer als intuitiv, schnell und zuverlässig empfinden. Diese Erfahrungen prägen, oft unbewusst, die Erwartungen an alle anderen Dienstleistungen. Prozesse, die früher als komplex, aber notwendig akzeptiert wurden, werden heute anders bewertet. Wenn ein Nutzer gewohnt ist, innerhalb weniger Sekunden einen Service zu nutzen, wirkt ein mehrstufiger, papierbasierter Prozess wie ein strukturelles Defizit.

Reibungsverluste dieser Art haben ihre Bedeutung verändert. Sie sind kein Nebenprodukt einer Komplexität mehr, das ganz automatisch Teil der Erfahrung ist und wird eher als Qualitätsmerkmal angesehen. In der Vermögensverwaltung zeigt sich das an vielen Stellen. Medienbrüche, manuelle Datenerfassung, inkonsistente Informationen oder unklare Verantwortlichkeiten werden schnell sichtbar und wirken sich dann direkt auf die Wahrnehmung aus. Jüngere Generationen sind stärker digital geprägt. Wie absurd Münztelefone auf jüngere Generationen wirken, ist ein typisches Beispiel. Einst Innovation, heute Relikt. Ähnlich war es auch mit der Kutsche und der Dampfmaschine. Jüngere Generationen sind hier oft keine Zeitzeugen mehr gewesen und können durch einstige Innovation nicht mehr überzeugt werden, sofern woanders modernere Lösungen vorhanden sind.

Gleichzeitig ist diese Entwicklung nicht auf jüngere Kunden beschränkt. Erwartungen wandern. Was zunächst bei digital affinen Nutzern entsteht, wird nach und nach zum Standard für alle. Unterschiede bleiben bestehen, aber das Grundniveau steigt kontinuierlich. Erwartungen steigern sich somit innerhalb und zwischen Generationen.

Damit wird klar: Die Herausforderung besteht darin, ein Erwartungsniveau zu bedienen, das sich dynamisch weiterentwickelt und nicht jede Generation einzeln zu berücksichtigen.

Generationenmodelle als Struktur entlang der Customer Journey

Auch wenn jeder Kunde individuell ist, lassen sich entlang der Customer Journey wiederkehrende Muster erkennen. Sicherlich werden Erwartungen in allen Phasen eine gewisse Relevanz entwickeln, allerdings wird generationsbezogen in manchen Phasen deutlicher, welche Stellschrauben bestehen. Wir konzentrieren und hier auf vier Phasen:

  • Onboarding und Erstberatung: Alle Tätigkeiten, die nötig sind, damit der Interessent zum Kunden wird und die Verwaltung starten kann. Hierzu gehört auch die Vertragserstellung.
  • Laufende Beratung und Reporting: Alle Tätigkeiten, die fortlaufend passieren müssen, um das Vermögen des Kunden zu betreuen und ihm zu zeigen, wo er steht.
  • Lebensereignisse oder Marktveränderungen: Alle Tätigkeiten, die außerhalb der fortlaufenden Tätigkeiten umgesetzt werden.
  • Vermögensübergang und Nachfolgeplanung: Alle Tätigkeiten, die mit dem Generationenübergang direkt zusammenhängen.

Auf Basis dieser Phasen können wir Verschiebungen von Erwartungen einordnen, wissen allerdings noch nicht, was sich verschiebende Erwartungen sind. Das Kano-Modell bietet dafür eine hilfreiche Perspektive. Es beschreibt die Entwicklung von Anforderungen über die Zeit. Was heute Begeisterung auslöst, wird mit zunehmender Verbreitung zur Selbstverständlichkeit. Irgendwann wird es nicht mehr positiv wahrgenommen, sondern nur noch dann, wenn es fehlt. Dieser Übergang ist stetig innerhalb und zwischen Generationen. Wenn wir Generationenprofile nutzen, sind sie also nicht als starre Kategorien (Schubladen) zu verstehen. Als strukturierende Perspektive kann über sie klarer werden, wie sich Erwartungen entlang dieser Journey unterschiedlich ausprägen. An je zwei Beispielen pro Generation wird klar, wo wichtige Stellschrauben innerhalb der Customer Journey liegen.

Gen X: Stabilität entsteht durch Beziehung und Konsistenz

Zwischen 1965 und 1980 geborene Menschen lassen sich Generation X zuordnen. Sie ist in einer Zeit der Ambivalenz aufgewachsen, in der wirtschaftliche und politische Veränderungen spürbar waren, aber gleichzeitig stabile Strukturen eine große Rolle gespielt haben. Einerseits war die Nachkriegszeit vorüber und die Welt war zunächst aufgeteilt. Abgesehen vom kalten Krieg wurden entfernte Kriege vor allem vor dem Hintergrund der Erzählungen der Generationen, die den zweiten Weltkrieg erlebt haben, nicht als unmittelbar bedrohlich in Kalküle einbezogen. Wiedervereinigung und andere wichtige Veränderungen in Deutschland zeigten dann andererseits aber auch, dass bestehende Verhältnisse in der Welt veränderlich sind. Hinsichtlich finanzieller Sichtweisen ist diese Generation stark von der vorherigen geprägt. Vermögen wurde häufig über lange Zeiträume aufgebaut und wird eng mit persönlicher Leistung verbunden. Diese Prägung zeigt sich deutlich in der Erwartungshaltung.

Vertrauen ist der zentrale Anker. Es entsteht langsam, aber wenn es aufgebaut ist, hat es eine hohe Bindungskraft. Beziehungen sind langfristig angelegt, Kontinuität wird geschätzt und Veränderungen werden sorgfältig abgewogen.

Use Case 1: Laufende Betreuung als Stabilitätsanker

In der Phase der laufenden Betreuung zeigt sich diese Haltung besonders deutlich. Ein Mandant arbeitet seit vielen Jahren mit demselben Berater zusammen. Marktphasen kommen und gehen, Performance schwankt, aber die Beziehung bleibt stabil, wenn die Interaktion als passend wahrgenommen wird. Ein Berater, der erreichbar ist, einordnet, was am Markt geschieht, wenn sich Fragen auftun und das Gefühl gibt, alles im Griff zu haben, hat bereits viel dafür getan, den Erwartungen dieser Generation gerecht zu werden. Selbst in turbulenten Phasen entsteht kein unmittelbarer Druck zum Wechsel. Solange sich der Kunde gut informiert und verstanden fühlt, bleibt die Beziehung bestehen.

Ein Bruch entsteht durch Vertrauensverlust und weniger durch Zahlen. Wenn Kommunikation ausbleibt, wenn Entscheidungen nicht nachvollziehbar erscheinen oder wenn Ansprechpartner wechseln, gerät die Beziehung ins Wanken. Systeme unterstützen dort, wo es wirklichen Mehrwert bringt. Entlastung durch funktionierende Systeme bedeutet mehr Zeit für Beziehungspflege.

Use Case 2: Reporting als Ausdruck von Verlässlichkeit

Im Reporting zeigt sich ein ähnliches Muster. Der Kunde erwartet keine permanente Verfügbarkeit hochgranularer Daten. Ihm genügt ein strukturiertes, konsistentes und verständliches Gesamtbild. Ein periodischer Bericht, der klar aufbereitet ist, liefert genau das. Entscheidend ist, dass die Inhalte stimmen, dass sie über Zeit hinweg vergleichbar sind und dass sie nachvollziehbar eingeordnet werden.

Wenn dagegen Zahlen nicht zusammenpassen oder sich Darstellungen widersprechen, wird das als schwerwiegender Mangel wahrgenommen, weil Konsistenz als Voraussetzung für Vertrauen dient. Für Systeme bedeutet das, dass die Aufbereitung und der Weg des Reports zum Endkunden nicht den unmittelbaren Mehrwert liefern. Allerdings sorgen Systeme auch für eben diese Konsistenz.

Einordnung

Für Gen X steht die Beziehung im Mittelpunkt. Technologie unterstützt diese Beziehung, aber sie darf sie nicht destabilisieren. Systeme müssen vor allem zuverlässig funktionieren. Sie treten in den Hintergrund, während der Berater als Vertrauensperson sichtbar bleibt.

Gen Y: Der Wunsch, Entscheidungen zu verstehen

Mit den zwischen 1981 und 1996 geborenen Millennials verändert sich die Perspektive grundlegend. Diese Generation ist mit digitalen Systemen aufgewachsen und hat gleichzeitig prägende wirtschaftliche Krisen erlebt. Die Stabilität, die die Vorgeneration noch kannte, kennt sie höchstens aus Kindertagen. Unstetigkeit in der Welt ist auch unmittelbar im eigenen Land bzw. in Europa sichtbar. Spätestens die Finanzkrise hat es nötig gemacht, sich mit finanziellen Sachverhalten auseinanderzusetzen. Für diese Generation ist Hinterfragen normal. Sie bringt deshalb eine Kombination aus Systemverständnis und kritischer Distanz mit. Das zeigt sich besonders im Umgang mit Entscheidungen. Vermögensverwaltung wird als Quelle von Erfahrung und Kompetenz wahrgenommen, aber Empfehlungen werden hinterfragt und eingeordnet. Der Prozess selbst wird Teil der Leistung.

Gleichzeitig spielt die Passung zu persönlichen Werten eine wachsende Rolle. Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Wirkung oder ethische Kriterien fließen in die Bewertung ein.

Use Case 1: Beratung in komplexen Marktsituationen

In einer Marktphase mit hoher Unsicherheit wird vorgeschlagen, den Anteil volatiler Assets zu senken. Der Kunde akzeptiert dies nicht allein aufgrund der Expertise des Beraters. Er möchte verstehen, wie die Entscheidung zustande kommt. Welche Annahmen liegen zugrunde, welche Szenarien wurden betrachtet, welche Alternativen verworfen? Das Gespräch entwickelt sich weniger linear und mehr dialogisch. Der Kunde bringt eigene Perspektiven ein, stellt Hypothesen infrage und erwartet Antworten auf Augenhöhe.

Der Berater bleibt zentral, aber seine Rolle verschiebt sich.

Use Case 2: Reporting als Kontextgeber

Auch im Reporting wird mehr erwartet als die reine Darstellung von Zahlen. Veränderungen sollen erklärbar sein. Wenn sich ein Portfolio entwickelt, interessiert neben dem Ergebnis auch der Weg dorthin. Welche Faktoren haben dazu geführt, wie wirkt sich das auf die Gesamtstrategie aus und ergibt sich daraus ein Handlungsbedarf?

Einordnung

Für Millennials wird Transparenz zur Grundvoraussetzung. Digitale Services sind Standard und der eigentliche Mehrwert entsteht in der Qualität des Dialogs und der Fähigkeit, Zusammenhänge verständlich zu machen.

Gen Z: Nutzererfahrung als primäres Entscheidungskriterium

Generation Z enthält die Jahrgänge von 1997 bis 2012 und setzt diesen Trend fort, verschiebt ihn aber noch stärker in Richtung Nutzungserfahrung. Diese Generation ist vollständig in einer digitalen Umgebung sozialisiert worden. Interaktionen mit Systemen erfolgen selbstverständlich, schnell und intuitiv. Das verändert die Bewertung von Dienstleistungen. Nicht mehr nur der Inhalt zählt, sondern die Art und Weise, wie er zugänglich gemacht wird.

Gleichzeitig ist diese Generation in einer insgesamt deutlich schnelllebigeren Umgebung aufgewachsen. Während die Generationen zuvor Veränderungen oftmals als große, wichtige Themen wahrgenommen haben, zeigt sich Veränderung nun in allen Bereichen des Lebens und wird daher als gegeben gesehen.

Use Case 1: Onboarding als erste Bewährungsprobe

Der erste Kontakt mit einem Vermögensverwalter erfolgt für Gen Z häufig digital. Das Onboarding muss demnach ebenso digital erfolgen. Wird der Prozess stellenweise aus der digitalen Welt verlagert, entsteht Reibung, die nicht toleriert wird. Ein Beispiel: Ein Kunde beginnt den Prozess digital, soll plötzlich aber seine Unterschrift auf einem Stapel Formulare hinterlegen. Nach allerhand Informationen, die über Eingabefelder in einer Software gelandet sind, stellt das die Modernität des gesamten Angebots infrage und ist keine Kleinigkeit. Der Eindruck entsteht durch den Weg in die Vermögensverwaltung.

Use Case 2: Erstberatung mit bestehendem Weltbild

In der Erstberatung bringt der Kunde bereits Erfahrungen mit. Er hat investiert, Plattformen genutzt und sich informiert. Er kommt mit einer eigenen Perspektive. Das Gespräch beginnt deshalb nicht bei Grundlagen, sondern bei der Einordnung. Der Berater muss vorhandene Annahmen aufnehmen, bewerten und, wenn nötig, korrigieren.

Entscheidend ist dabei die Art der Kommunikation. Belehrung führt zu Ablehnung, nachvollziehbare Argumentation zu Vertrauen. Der Kunde erwartet, dass seine bisherigen Entscheidungen in den Prozess integriert werden. Ein vollständiger Neustart wirkt eher als ein Bruch, weniger wie ein Mehrwert. Systeme müssen daher auch bestehende Portfolios im Detail aufnehmen und gegen neue Vorschläge bewerten können. Nachvollziehbarkeit ist hier entscheidend.

Einordnung

Für Gen Z wird die Qualität der Nutzererfahrung zum zentralen Faktor. Systeme prägen die Wahrnehmung der gesamten Dienstleistung mehr, als einfach nur zu mitzulaufen. Der Berater bleibt relevant, aber stärker situativ.

Gen Alpha: Der nächste logische Schritt

Die kommende Generation wächst mit Technologien auf, die proaktiv antizipieren. Künstliche Intelligenz, personalisierte Inhalte und automatisierte Entscheidungen gehören früh zum Alltag. Daraus entsteht eine neue Erwartungshaltung. Systeme sollen nicht nur funktionieren, sondern mitdenken. Prozesse sollen sich anpassen, nicht nur ablaufen. Informationen sollen verfügbar sein, ohne aktiv gesucht werden zu müssen.

Gleichzeitig verändert sich die Rolle der Familie. Finanzielle Bildung beginnt früher, Gespräche über Geld werden offener geführt und Wissen wird aktiver weitergegeben.

Damit entsteht eine Generation, die sowohl technologisch als auch inhaltlich vorbereitet ist.

Gemeinsame Muster und steigende Standards

Trotz aller Unterschiede zeigt sich ein klares gemeinsames Muster. Erwartungen steigen über Generationen hinweg in vier zentralen Dimensionen: Transparenz, Zugänglichkeit, Geschwindigkeit und Selbstbestimmung. Diese Dimensionen beeinflussen sich gegenseitig und verstärken sich.

Ein höherer Grad an Transparenz führt dazu, dass Entscheidungen schneller hinterfragt werden. Eine bessere Zugänglichkeit erhöht die Erwartung, jederzeit handeln zu können. Mehr Selbstbestimmung setzt voraus, dass Informationen verständlich und verfügbar sind.

Der entscheidende Punkt ist, dass diese Entwicklung nicht exklusiv ist. Höhere Standards schließen keine bestehenden Kunden aus. Sie erhöhen die Qualität der Gesamtleistung. Gleichzeitig müssen alle vier Dimensionen berücksichtigt werden, wenn alle Generationen begeistert werden sollen.

Das eigentliche Risiko liegt nicht in zu hohen Ambitionen, sondern in inkonsistenter Umsetzung. Wenn einzelne Teile der Journey modern wirken, andere aber nicht, entsteht ein Bruch, der besonders kritisch wahrgenommen wird.

Anpassungsfähigkeit schlägt Tradition

Die Vermögensverwaltung befindet sich in einem Umfeld, das sich strukturell verändert hat. Kunden haben heute reale Alternativen. Sie können selbst investieren, hybride Modelle nutzen oder digitale Plattformen bevorzugen. Statt den Anbieter in den Vordergrund zu rücken, steht im Zentrum die grundsätzliche Entscheidung, ob Vermögen überhaupt extern verwaltet werden soll. Erst im zweiten Schritt stellt sich die Frage, wer diese Aufgabe übernimmt. Damit wird klar, dass Relevanz aktiv geschaffen werden muss. Sie ergibt sich nicht mehr automatisch aus Historie, Marke oder bestehender Beziehung.

Anpassungsfähigkeit wird zum entscheidenden Faktor. Die Fähigkeit, Erwartungen zu erkennen, zu verstehen und in funktionierende Lösungen zu übersetzen, entscheidet über langfristigen Erfolg.

Was jetzt zählt

Die logische Konsequenz aus diesen Entwicklungen ist ein strukturelles Umdenken. Customer Journeys müssen konsequent aus Nutzersicht betrachtet werden. Nicht aus interner Prozesslogik, sondern entlang der tatsächlichen Erfahrung. Reibungspunkte müssen identifiziert und reduziert werden. Systeme müssen konsistent funktionieren. Isolierte Verbesserungen reichen nicht aus, wenn das Gesamtbild nicht stimmt. Beratung muss sich differenzieren. Sie muss verschiedene Erwartungen adressieren können, ohne ihre Kernfunktion zu verlieren. Technologie ist zentraler Bestandteil der Leistung. Und schließlich wird es entscheidend sein, Entwicklungen vorauszudenken. Die Maßstäbe entstehen außerhalb der eigenen Branche und verändern sich kontinuierlich.

Fazit

Der Generationenwechsel ist keine zukünftige Herausforderung. Er zeigt sich in der Verteilung von Vermögen und in der Veränderung von Erwartungen. Diese Erwartungen entstehen früh, entwickeln sich ständig weiter und beeinflussen Entscheidungen oft lange bevor sie sichtbar werden. Wer diese Dynamik versteht, kann sie aktiv gestalten. Wer sie ignoriert, wird schrittweise an Relevanz verlieren. Am Ende entscheidet nicht, wie gut ein Angebot gestern war, sondern wie anschlussfähig es morgen ist.

Oder anders formuliert:

Die Frage ist nicht, ob sich Ihre Kunden verändern.
Die Frage ist, ob Sie es rechtzeitig tun.

Eine Sache wird jedoch so relevant bleiben wie in der Vergangenheit: Exklusivität und persönliche Ansprache sind für alle Generationen vermögender Kunden Pflicht.

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Sink or Swim: Wie Vermögensverwalter die nächste Kundengeneration gewinnen und binden

Der Generationenwechsel ist im Gang

Der viel zitierte „Silver Tsunami“ wird oft als Ereignis beschrieben, das noch bevorsteht. Eine große Vermögenswelle, die in den kommenden Jahren von einer Generation zur nächsten überschwappt. Dieses Bild ist eingängig, aber es führt in die Irre.

In der Realität passiert der Übergang nicht punktuell, sondern schleichend und über Jahre hinweg. Wichtig ist dabei vor allem, dass es nicht zwei klar getrennte Parteien gibt und der Übergang auf Basis bestehender Beziehungen vonstattengeht. In vielen Mandaten sind heute bereits mehrere Generationen gleichzeitig involviert. Die nächste Generation sitzt mit am Tisch, stellt Fragen, bringt Perspektiven ein und beeinflusst Entscheidungen. Oft geschieht das lange bevor sie formal Verantwortung trägt. Die klassische Logik eines linearen Übergangs - erst die eine Generation, dann die nächste - greift deshalb zu kurz.

Was sich stattdessen beobachten lässt, ist eine Phase der Überlappung, in welcher Erwartungen nebeneinander existieren, sich teilweise widersprechen und in der sich zunehmend entscheidet, ob bestehende Beziehungen fortgeführt werden oder nicht.

Der kritische Punkt liegt darin, dass diese Entscheidungen häufig nicht erst dann getroffen werden, wenn das Vermögen offiziell übertragen wird. Sie entstehen schon im Vorfeld in Gesprächen, in Wahrnehmungen, in kleinen Momenten entlang der Customer Journey. Damit verschiebt sich der eigentliche Zeitpunkt der Weichenstellung nach vorne.

Die Frage ist nicht mehr, ob ein Vermögensverwalter den Generationenwechsel erfolgreich begleitet. Die entscheidende Frage ist, ob er bereits Teil des Entscheidungsraums ist, in dem die nächste Generation ihre Präferenzen entwickelt.

Erwartungen entstehen außerhalb der Branche

Um diese Entwicklung zu verstehen, reicht der Blick auf Vermögensverwaltung allein nicht aus. Die zentralen Maßstäbe für Qualität entstehen heute auch außerhalb der Branche. Digitale Plattformen, E-Commerce, Banking-Apps, Mobilitätsservices und zunehmend auch KI-gestützte Anwendungen definieren, was Nutzer als intuitiv, schnell und zuverlässig empfinden. Diese Erfahrungen prägen, oft unbewusst, die Erwartungen an alle anderen Dienstleistungen. Prozesse, die früher als komplex, aber notwendig akzeptiert wurden, werden heute anders bewertet. Wenn ein Nutzer gewohnt ist, innerhalb weniger Sekunden einen Service zu nutzen, wirkt ein mehrstufiger, papierbasierter Prozess wie ein strukturelles Defizit.

Reibungsverluste dieser Art haben ihre Bedeutung verändert. Sie sind kein Nebenprodukt einer Komplexität mehr, das ganz automatisch Teil der Erfahrung ist und wird eher als Qualitätsmerkmal angesehen. In der Vermögensverwaltung zeigt sich das an vielen Stellen. Medienbrüche, manuelle Datenerfassung, inkonsistente Informationen oder unklare Verantwortlichkeiten werden schnell sichtbar und wirken sich dann direkt auf die Wahrnehmung aus. Jüngere Generationen sind stärker digital geprägt. Wie absurd Münztelefone auf jüngere Generationen wirken, ist ein typisches Beispiel. Einst Innovation, heute Relikt. Ähnlich war es auch mit der Kutsche und der Dampfmaschine. Jüngere Generationen sind hier oft keine Zeitzeugen mehr gewesen und können durch einstige Innovation nicht mehr überzeugt werden, sofern woanders modernere Lösungen vorhanden sind.

Gleichzeitig ist diese Entwicklung nicht auf jüngere Kunden beschränkt. Erwartungen wandern. Was zunächst bei digital affinen Nutzern entsteht, wird nach und nach zum Standard für alle. Unterschiede bleiben bestehen, aber das Grundniveau steigt kontinuierlich. Erwartungen steigern sich somit innerhalb und zwischen Generationen.

Damit wird klar: Die Herausforderung besteht darin, ein Erwartungsniveau zu bedienen, das sich dynamisch weiterentwickelt und nicht jede Generation einzeln zu berücksichtigen.

Generationenmodelle als Struktur entlang der Customer Journey

Auch wenn jeder Kunde individuell ist, lassen sich entlang der Customer Journey wiederkehrende Muster erkennen. Sicherlich werden Erwartungen in allen Phasen eine gewisse Relevanz entwickeln, allerdings wird generationsbezogen in manchen Phasen deutlicher, welche Stellschrauben bestehen. Wir konzentrieren und hier auf vier Phasen:

  • Onboarding und Erstberatung: Alle Tätigkeiten, die nötig sind, damit der Interessent zum Kunden wird und die Verwaltung starten kann. Hierzu gehört auch die Vertragserstellung.
  • Laufende Beratung und Reporting: Alle Tätigkeiten, die fortlaufend passieren müssen, um das Vermögen des Kunden zu betreuen und ihm zu zeigen, wo er steht.
  • Lebensereignisse oder Marktveränderungen: Alle Tätigkeiten, die außerhalb der fortlaufenden Tätigkeiten umgesetzt werden.
  • Vermögensübergang und Nachfolgeplanung: Alle Tätigkeiten, die mit dem Generationenübergang direkt zusammenhängen.

Auf Basis dieser Phasen können wir Verschiebungen von Erwartungen einordnen, wissen allerdings noch nicht, was sich verschiebende Erwartungen sind. Das Kano-Modell bietet dafür eine hilfreiche Perspektive. Es beschreibt die Entwicklung von Anforderungen über die Zeit. Was heute Begeisterung auslöst, wird mit zunehmender Verbreitung zur Selbstverständlichkeit. Irgendwann wird es nicht mehr positiv wahrgenommen, sondern nur noch dann, wenn es fehlt. Dieser Übergang ist stetig innerhalb und zwischen Generationen. Wenn wir Generationenprofile nutzen, sind sie also nicht als starre Kategorien (Schubladen) zu verstehen. Als strukturierende Perspektive kann über sie klarer werden, wie sich Erwartungen entlang dieser Journey unterschiedlich ausprägen. An je zwei Beispielen pro Generation wird klar, wo wichtige Stellschrauben innerhalb der Customer Journey liegen.

Gen X: Stabilität entsteht durch Beziehung und Konsistenz

Zwischen 1965 und 1980 geborene Menschen lassen sich Generation X zuordnen. Sie ist in einer Zeit der Ambivalenz aufgewachsen, in der wirtschaftliche und politische Veränderungen spürbar waren, aber gleichzeitig stabile Strukturen eine große Rolle gespielt haben. Einerseits war die Nachkriegszeit vorüber und die Welt war zunächst aufgeteilt. Abgesehen vom kalten Krieg wurden entfernte Kriege vor allem vor dem Hintergrund der Erzählungen der Generationen, die den zweiten Weltkrieg erlebt haben, nicht als unmittelbar bedrohlich in Kalküle einbezogen. Wiedervereinigung und andere wichtige Veränderungen in Deutschland zeigten dann andererseits aber auch, dass bestehende Verhältnisse in der Welt veränderlich sind. Hinsichtlich finanzieller Sichtweisen ist diese Generation stark von der vorherigen geprägt. Vermögen wurde häufig über lange Zeiträume aufgebaut und wird eng mit persönlicher Leistung verbunden. Diese Prägung zeigt sich deutlich in der Erwartungshaltung.

Vertrauen ist der zentrale Anker. Es entsteht langsam, aber wenn es aufgebaut ist, hat es eine hohe Bindungskraft. Beziehungen sind langfristig angelegt, Kontinuität wird geschätzt und Veränderungen werden sorgfältig abgewogen.

Use Case 1: Laufende Betreuung als Stabilitätsanker

In der Phase der laufenden Betreuung zeigt sich diese Haltung besonders deutlich. Ein Mandant arbeitet seit vielen Jahren mit demselben Berater zusammen. Marktphasen kommen und gehen, Performance schwankt, aber die Beziehung bleibt stabil, wenn die Interaktion als passend wahrgenommen wird. Ein Berater, der erreichbar ist, einordnet, was am Markt geschieht, wenn sich Fragen auftun und das Gefühl gibt, alles im Griff zu haben, hat bereits viel dafür getan, den Erwartungen dieser Generation gerecht zu werden. Selbst in turbulenten Phasen entsteht kein unmittelbarer Druck zum Wechsel. Solange sich der Kunde gut informiert und verstanden fühlt, bleibt die Beziehung bestehen.

Ein Bruch entsteht durch Vertrauensverlust und weniger durch Zahlen. Wenn Kommunikation ausbleibt, wenn Entscheidungen nicht nachvollziehbar erscheinen oder wenn Ansprechpartner wechseln, gerät die Beziehung ins Wanken. Systeme unterstützen dort, wo es wirklichen Mehrwert bringt. Entlastung durch funktionierende Systeme bedeutet mehr Zeit für Beziehungspflege.

Use Case 2: Reporting als Ausdruck von Verlässlichkeit

Im Reporting zeigt sich ein ähnliches Muster. Der Kunde erwartet keine permanente Verfügbarkeit hochgranularer Daten. Ihm genügt ein strukturiertes, konsistentes und verständliches Gesamtbild. Ein periodischer Bericht, der klar aufbereitet ist, liefert genau das. Entscheidend ist, dass die Inhalte stimmen, dass sie über Zeit hinweg vergleichbar sind und dass sie nachvollziehbar eingeordnet werden.

Wenn dagegen Zahlen nicht zusammenpassen oder sich Darstellungen widersprechen, wird das als schwerwiegender Mangel wahrgenommen, weil Konsistenz als Voraussetzung für Vertrauen dient. Für Systeme bedeutet das, dass die Aufbereitung und der Weg des Reports zum Endkunden nicht den unmittelbaren Mehrwert liefern. Allerdings sorgen Systeme auch für eben diese Konsistenz.

Einordnung

Für Gen X steht die Beziehung im Mittelpunkt. Technologie unterstützt diese Beziehung, aber sie darf sie nicht destabilisieren. Systeme müssen vor allem zuverlässig funktionieren. Sie treten in den Hintergrund, während der Berater als Vertrauensperson sichtbar bleibt.

Gen Y: Der Wunsch, Entscheidungen zu verstehen

Mit den zwischen 1981 und 1996 geborenen Millennials verändert sich die Perspektive grundlegend. Diese Generation ist mit digitalen Systemen aufgewachsen und hat gleichzeitig prägende wirtschaftliche Krisen erlebt. Die Stabilität, die die Vorgeneration noch kannte, kennt sie höchstens aus Kindertagen. Unstetigkeit in der Welt ist auch unmittelbar im eigenen Land bzw. in Europa sichtbar. Spätestens die Finanzkrise hat es nötig gemacht, sich mit finanziellen Sachverhalten auseinanderzusetzen. Für diese Generation ist Hinterfragen normal. Sie bringt deshalb eine Kombination aus Systemverständnis und kritischer Distanz mit. Das zeigt sich besonders im Umgang mit Entscheidungen. Vermögensverwaltung wird als Quelle von Erfahrung und Kompetenz wahrgenommen, aber Empfehlungen werden hinterfragt und eingeordnet. Der Prozess selbst wird Teil der Leistung.

Gleichzeitig spielt die Passung zu persönlichen Werten eine wachsende Rolle. Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Wirkung oder ethische Kriterien fließen in die Bewertung ein.

Use Case 1: Beratung in komplexen Marktsituationen

In einer Marktphase mit hoher Unsicherheit wird vorgeschlagen, den Anteil volatiler Assets zu senken. Der Kunde akzeptiert dies nicht allein aufgrund der Expertise des Beraters. Er möchte verstehen, wie die Entscheidung zustande kommt. Welche Annahmen liegen zugrunde, welche Szenarien wurden betrachtet, welche Alternativen verworfen? Das Gespräch entwickelt sich weniger linear und mehr dialogisch. Der Kunde bringt eigene Perspektiven ein, stellt Hypothesen infrage und erwartet Antworten auf Augenhöhe.

Der Berater bleibt zentral, aber seine Rolle verschiebt sich.

Use Case 2: Reporting als Kontextgeber

Auch im Reporting wird mehr erwartet als die reine Darstellung von Zahlen. Veränderungen sollen erklärbar sein. Wenn sich ein Portfolio entwickelt, interessiert neben dem Ergebnis auch der Weg dorthin. Welche Faktoren haben dazu geführt, wie wirkt sich das auf die Gesamtstrategie aus und ergibt sich daraus ein Handlungsbedarf?

Einordnung

Für Millennials wird Transparenz zur Grundvoraussetzung. Digitale Services sind Standard und der eigentliche Mehrwert entsteht in der Qualität des Dialogs und der Fähigkeit, Zusammenhänge verständlich zu machen.

Gen Z: Nutzererfahrung als primäres Entscheidungskriterium

Generation Z enthält die Jahrgänge von 1997 bis 2012 und setzt diesen Trend fort, verschiebt ihn aber noch stärker in Richtung Nutzungserfahrung. Diese Generation ist vollständig in einer digitalen Umgebung sozialisiert worden. Interaktionen mit Systemen erfolgen selbstverständlich, schnell und intuitiv. Das verändert die Bewertung von Dienstleistungen. Nicht mehr nur der Inhalt zählt, sondern die Art und Weise, wie er zugänglich gemacht wird.

Gleichzeitig ist diese Generation in einer insgesamt deutlich schnelllebigeren Umgebung aufgewachsen. Während die Generationen zuvor Veränderungen oftmals als große, wichtige Themen wahrgenommen haben, zeigt sich Veränderung nun in allen Bereichen des Lebens und wird daher als gegeben gesehen.

Use Case 1: Onboarding als erste Bewährungsprobe

Der erste Kontakt mit einem Vermögensverwalter erfolgt für Gen Z häufig digital. Das Onboarding muss demnach ebenso digital erfolgen. Wird der Prozess stellenweise aus der digitalen Welt verlagert, entsteht Reibung, die nicht toleriert wird. Ein Beispiel: Ein Kunde beginnt den Prozess digital, soll plötzlich aber seine Unterschrift auf einem Stapel Formulare hinterlegen. Nach allerhand Informationen, die über Eingabefelder in einer Software gelandet sind, stellt das die Modernität des gesamten Angebots infrage und ist keine Kleinigkeit. Der Eindruck entsteht durch den Weg in die Vermögensverwaltung.

Use Case 2: Erstberatung mit bestehendem Weltbild

In der Erstberatung bringt der Kunde bereits Erfahrungen mit. Er hat investiert, Plattformen genutzt und sich informiert. Er kommt mit einer eigenen Perspektive. Das Gespräch beginnt deshalb nicht bei Grundlagen, sondern bei der Einordnung. Der Berater muss vorhandene Annahmen aufnehmen, bewerten und, wenn nötig, korrigieren.

Entscheidend ist dabei die Art der Kommunikation. Belehrung führt zu Ablehnung, nachvollziehbare Argumentation zu Vertrauen. Der Kunde erwartet, dass seine bisherigen Entscheidungen in den Prozess integriert werden. Ein vollständiger Neustart wirkt eher als ein Bruch, weniger wie ein Mehrwert. Systeme müssen daher auch bestehende Portfolios im Detail aufnehmen und gegen neue Vorschläge bewerten können. Nachvollziehbarkeit ist hier entscheidend.

Einordnung

Für Gen Z wird die Qualität der Nutzererfahrung zum zentralen Faktor. Systeme prägen die Wahrnehmung der gesamten Dienstleistung mehr, als einfach nur zu mitzulaufen. Der Berater bleibt relevant, aber stärker situativ.

Gen Alpha: Der nächste logische Schritt

Die kommende Generation wächst mit Technologien auf, die proaktiv antizipieren. Künstliche Intelligenz, personalisierte Inhalte und automatisierte Entscheidungen gehören früh zum Alltag. Daraus entsteht eine neue Erwartungshaltung. Systeme sollen nicht nur funktionieren, sondern mitdenken. Prozesse sollen sich anpassen, nicht nur ablaufen. Informationen sollen verfügbar sein, ohne aktiv gesucht werden zu müssen.

Gleichzeitig verändert sich die Rolle der Familie. Finanzielle Bildung beginnt früher, Gespräche über Geld werden offener geführt und Wissen wird aktiver weitergegeben.

Damit entsteht eine Generation, die sowohl technologisch als auch inhaltlich vorbereitet ist.

Gemeinsame Muster und steigende Standards

Trotz aller Unterschiede zeigt sich ein klares gemeinsames Muster. Erwartungen steigen über Generationen hinweg in vier zentralen Dimensionen: Transparenz, Zugänglichkeit, Geschwindigkeit und Selbstbestimmung. Diese Dimensionen beeinflussen sich gegenseitig und verstärken sich.

Ein höherer Grad an Transparenz führt dazu, dass Entscheidungen schneller hinterfragt werden. Eine bessere Zugänglichkeit erhöht die Erwartung, jederzeit handeln zu können. Mehr Selbstbestimmung setzt voraus, dass Informationen verständlich und verfügbar sind.

Der entscheidende Punkt ist, dass diese Entwicklung nicht exklusiv ist. Höhere Standards schließen keine bestehenden Kunden aus. Sie erhöhen die Qualität der Gesamtleistung. Gleichzeitig müssen alle vier Dimensionen berücksichtigt werden, wenn alle Generationen begeistert werden sollen.

Das eigentliche Risiko liegt nicht in zu hohen Ambitionen, sondern in inkonsistenter Umsetzung. Wenn einzelne Teile der Journey modern wirken, andere aber nicht, entsteht ein Bruch, der besonders kritisch wahrgenommen wird.

Anpassungsfähigkeit schlägt Tradition

Die Vermögensverwaltung befindet sich in einem Umfeld, das sich strukturell verändert hat. Kunden haben heute reale Alternativen. Sie können selbst investieren, hybride Modelle nutzen oder digitale Plattformen bevorzugen. Statt den Anbieter in den Vordergrund zu rücken, steht im Zentrum die grundsätzliche Entscheidung, ob Vermögen überhaupt extern verwaltet werden soll. Erst im zweiten Schritt stellt sich die Frage, wer diese Aufgabe übernimmt. Damit wird klar, dass Relevanz aktiv geschaffen werden muss. Sie ergibt sich nicht mehr automatisch aus Historie, Marke oder bestehender Beziehung.

Anpassungsfähigkeit wird zum entscheidenden Faktor. Die Fähigkeit, Erwartungen zu erkennen, zu verstehen und in funktionierende Lösungen zu übersetzen, entscheidet über langfristigen Erfolg.

Was jetzt zählt

Die logische Konsequenz aus diesen Entwicklungen ist ein strukturelles Umdenken. Customer Journeys müssen konsequent aus Nutzersicht betrachtet werden. Nicht aus interner Prozesslogik, sondern entlang der tatsächlichen Erfahrung. Reibungspunkte müssen identifiziert und reduziert werden. Systeme müssen konsistent funktionieren. Isolierte Verbesserungen reichen nicht aus, wenn das Gesamtbild nicht stimmt. Beratung muss sich differenzieren. Sie muss verschiedene Erwartungen adressieren können, ohne ihre Kernfunktion zu verlieren. Technologie ist zentraler Bestandteil der Leistung. Und schließlich wird es entscheidend sein, Entwicklungen vorauszudenken. Die Maßstäbe entstehen außerhalb der eigenen Branche und verändern sich kontinuierlich.

Fazit

Der Generationenwechsel ist keine zukünftige Herausforderung. Er zeigt sich in der Verteilung von Vermögen und in der Veränderung von Erwartungen. Diese Erwartungen entstehen früh, entwickeln sich ständig weiter und beeinflussen Entscheidungen oft lange bevor sie sichtbar werden. Wer diese Dynamik versteht, kann sie aktiv gestalten. Wer sie ignoriert, wird schrittweise an Relevanz verlieren. Am Ende entscheidet nicht, wie gut ein Angebot gestern war, sondern wie anschlussfähig es morgen ist.

Oder anders formuliert:

Die Frage ist nicht, ob sich Ihre Kunden verändern.
Die Frage ist, ob Sie es rechtzeitig tun.

Eine Sache wird jedoch so relevant bleiben wie in der Vergangenheit: Exklusivität und persönliche Ansprache sind für alle Generationen vermögender Kunden Pflicht.

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